Zweite Etappe

Zweite Etappe von Saßnitz (Rügen) nach Danzig (Polen)
200 Seemeilen vom 23.07.2007 bis 24.07.2007

Die Hanse 430e„Frühstücks Direktor“ verteidigt die Führung in Klasse A und in der Gesamtwertung des Baltic Sprint Cup

Es war kein leichter Einstieg in die um 30 auf 170 Seemeilen verkürzte Etappe von Saßnitz nach Danzig. Die Wetterprognosen sprachen von 25 bis 28 Knoten aus West, über den Tag hin abnehmend, also von einem schönen, schnellen Vorwindgang.

Und der begann morgens um 10 Uhr bei sonnigem Wetter mit einem Patzer. Der Vorschiffsmann war mit dem Gennaker beschäftigt, der für die Zeit zuständige junge Mann im Cockpit verschwand plötzlich, der Steuermann konnte die Lage der Startlinie und die Restzeit nur noch vermuten. Der Gennaker ging hoch, die „Frühstücks Direktor“ ruckte sofort auf 10 Knoten an und dann kam über dem VHF-Kanal 72 die schlechte Nachricht: Frühstart für „Frühstücks Direktor“.

Schlechter konnte es nicht laufen. Es dauerte zehn Minuten, bis der Gennaker geborgen war, die Genua stand und wir die Linie erneut kreuzten.

Die Aufholjagd begann. Nach vier Stunden hatten wir die führenden Yachten erreicht und setzen uns vom Feld ab. Toppspeed: 13,8 Knoten! Unsere Wettertaktik war simpel, weil die Prognosen nichts Bessere empfahlen: Wir wollten den kürzesten Weg segeln und nicht nach Süden unter Land gehen, weil wir dort zum Abend hin Flaute vermuteten.

Nachmittags wurde der Wind leichter, wir nutzten Winddreher für zwei Halsen. Abends um 6 Uhr lagen wir dann endlich in Führung. Bis auf die Bashford 41 „Tui“ verschwand die Flotte achtern am Horizont. Unsere Bootsgeschwindigkeit unter Gennaker war wirklich hervorragend.

Mit Einsetzen der Dunkelheit wurde es drehend und leicht. Die Entscheidung, den Gennaker zu bergen, der in alter Welle ins Rigg schlug, erwies sich als blendend. Mit der leichten Genua segelte die Hanse 430e erstaunlicherweise schneller als mit dem Gennaker. Wieder etwas hinzugelernt

In der Nacht segelten wir an der Küsten Polens mit Kurs 72° dicht unter Land. Der Wind drehte im Morgengrauen auf die Nase, das hatten unsere Wetterdaten uns so nicht vorausgesagt. Nun hieß es also 50 Seemeilen zu kreuzen bei leichtem Wind von 6 bis 8 Knoten Wind und einsetzendem Regen.

Es wurde eher ein Dauertest für das Henri Lloyd Ölzeug als für das Schiff. Immerhin, wir blieben an einem grauen Tag ohne weitere Vorkommnisse trocken. Irgendwann passierte uns die „Tui“, die mit überlappender Genua ein halben Knoten schneller segelte als wir mit der kleinen Fock. Da wir in der Vermessung jedoch wesentlich kleiner sind, machen wir uns um die Platzierung zunächst mal keine Gedanken. Im Ziel um 15.17 Uhr vor der Hafenmole von Wladiwowo hatten wir etwa 40 Minuten Rückstand auf „Tui“, aber mit unserem niedrigeren ORC-Club-Rennwert von 586.8 Sekunden pro Seemeile lagen wir in der Zeitberechnung noch deutlich vorn. Weitere Konkurrenten waren achteraus nicht mehr zu erkennen. Die letzten Yachten liefen erst früh am nächsten Tag ein.

Der „Frühstücks Direktor“ hat uns viel Spaß gemacht, seine Aufgaben bestens erledigt und die 170 Seemeilen gut überstanden. Unter Deck war es trocken, alle Segel sind heil geblieben, nur eine Glühbirne der Steuerbord-Navigationslampe ist ausgefallen und die Service-Batterien waren nahezu am Ende, was nicht auf einen technischen Fehler zurückzuführen war, wie sich herausstellte, sondern auf den sehr hohen Verbrauch der Elektronik und der Navigationsbeleuchtung. Wir hatten das unterschätzt.

Unterschätzt hatten wir auch die Wettertaktik der Grand Soleil 46.3 „Philomena“. Die Crew hatte als einzige aller 26 Yachten einen Umweg von 40 Seemeilen inkauf genommen, war statt den direktem Kurz zu steuern, zunächst in Richtung Bornholm gesegelt. Ein Umweg, der sich gelohnt hat, denn Kreuzen bei leichtem Wind musste sie so nicht. Das erfuhren wir jedoch erst nach einer dreistündigen Motorfahrt in die Stadtmarina direkt gegenüber dem Danziger Krantor. Die „Philomena“ hatte mehr als zwei Stunden vor uns im Ziel, wir haben sie nicht einmal gesehen.

Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden. Rang zwei in Klasse A und Rang zwei in der Gesamtwertung. Das bedeutet: wir verteidigen die Führung in Klasse und Gesamtklassement.

Die nächste Etappe:
Danzig – Klaipeda/Litauen über 113 Seemeilen wird morgen, am 26.7. um 16 Uhr gestartet. Die Wettervorhersage ist mit zirka 20 Knoten aus westlichen Winden gut.

Wir melden uns aus Klaipeda wieder, hoffentlich erneut mit positiven Nachrichten.

Die Crew der „Frühstücksdirektor“:
Jörn Bock, Ralph Moser, Nico Jeschonneck, Jörn Diercks, Timo Jakobs und der Bootkapitän und Bordchef Jan Dabelstein