Vierte Etappe

Vierte Etappe von Klaipeda (Litauen) nach Ventspils (Lettland)
106 Seemeilen vom 29.07.2007 bis 30.07.2007

Ein echter Sprint, 106 Seemeilen in 12 Stunden
Der „Frühstücks Direktor“ sichert Gesamtsieg und die Klassenwertung vor der letzten Wettfahrt

Das fünfte Land im vierten Race, und wieder eine neue Währung. Von Litauen nach Lettland zu segeln, heißt zunächst 350, dann nach etwa 50 Seemeilen nach Norden bis auf Kurs 20 Grad. Der angesagte Westwind, später Süd drehend passt, die maximale Windgeschwindigkeit am Nachmittag von 25 Knoten stellt sich allerdings unter einer dicken Regenwolke mitten in der Starphase ein. Und dann gleich mit 28 Knoten. Vier Minuten vor dem Schuss muss die schwere Jib unter Deck und die kleine Jib 3.5 raus. Wir schaffen das in drei Minuten und starten in Lee.

Im Feld herrscht chaotische Unaufgeräumtheit. Die 1,5 sm entfernt liegende Luvtonne erreichen wir gemeinsam mit einer Comfortina 42 Dann gehen wir Risiko, setzen für den drei Seemeilen langen Downwindkurs in Richtung Hafeneinfahrt den A 4 Gennaker und ziehen dem Feld davon. Das schafft erstmal Ruhe.

Wir nehmen uns Zeit für das Bergemanöver, halsen dann und dann geht es mit Kurs Nord die Küste entlang mit außen geschoteter schwerer Genua auf recht welliger Fahrbahn los. Der „Frühstücks Direktor“ fühlt sich wohl. Und Fock und Groß lässt er die 12-Knoten-Marke immer mal wieder hinter sich. Aus dem Feld achteraus schließt bis auf die große X 61 kein Schiff auf. Und die erreicht uns erst nach 30 Seemeilen.

Mit Einsetzen der Linksdrehung auf 220 Grad setzen wir nach kurzer Überlegungsphase den kleinen A 3 Gennaker – zum ersten Mal bei so einem Kurs mit einem Einfallswinkel von 130 Grad und 22 bis 24 Knoten Wind. Das Ergebnis überrascht uns. Toppspeed 13,8 Knoten, dabei lässt sich das Schiff problemlose Steuern, wir geraten nie in Gefahr, einen Sonnenschuss zu produzieren.

Im Feld drückt zunächst niemand auf die Risikotaste Gennaker. Mit jedem Knoten mehr Geschwindigkeit vergrößert der „Frühstücks Direktor“ die Führung nach achtern und die große X 61 voraus kann ihren Vorsprung nur wenig ausbauen. Sie macht uns mit ihrem Riesen-Rating ohnehin wenige Probleme.

Nahezu eine Stunde lang genießen wir den Rauschzustand der Alleinfahrt. Angesichts des recht zügigen Vorankommens, die Seemeilen laufen auf dem Display herunten wie das Guthaben in einem Spielautomaten, bleiben unter Deck die Rastplätze heute mal frei. Üblicherweise haben immer zwei Mann Standby-Dienst, um sich zwei Stunden lang auszuruhen. Auf den Segelsäcken, oder – wenn kein Ölzeug getragen wird - auch auf einer Koje im Achterschiff. Zu sechst haben genug zu tun. Trimmen, Segelwechsel, Schoten austauschen, immer wieder das Cockpit klarieren, dazu für zwei von uns Steuern im 90 Minutentakt. Das Essen steht aus Mars, Snickers, Zweiback, einem Glas polnischer Gurken und Wasser mit Isostarpulver.

Abwechslung bietet die bewaldete und nahezu menschenleere Küste Lettlands einerseits und ein paar regelmäßig anlaufen steile Wellen, die das Heck des „Frühstücks Direktor“ kräftig anheben und dann mit 13 Knoten die Welle herunterrutschen lassen.

Wie in der Prognose von Meeno Schrader aus Kiel angesagt, die sich mit der von www.windfinder.com deckt, wird der Wind gegen 20 Uhr leichter und dreht auf 205°. Zeit, bei etwa 20 Konten auf den großen A 4 Gennaker zu wechseln. Ärgerlich, der A 3 Gennaker verklemmt sich beim Bergen zwischen Spischot und Großbaum. Drei hässliche Löcher sind die Folge, die Jannemann unter Deck jedoch gleich mit Wundpflaster versorgt.

Der Steuerkurs beträgt nun 20 °, noch etwa 30 Seemeilen sind es bis zum Ziel. Es bleibt bis 22 Uhr einigermaßen hell, so lässt sich der Kurs direkt vor dem Wind einfacher steuern. Von achtern verkürzt die „Gunvor“ (X 46) ein wenig den Rückstand, den Rest des Feldes können wir nicht mehr sehen.

Wir kommen als zweites Schiff um 01.37 Uhr ins Ziel. Für 106 Seemeilen haben wir 12 Stunden benötigt. Wir legen uns um 3 Uhr in die Kojen, ein Segelergebnis gibt es noch nicht.

Da das Wetter schön ist, über uns ein fast sternenklarer Himmel, beschließen wir alle Segel über Nacht an Deck zu legen, um das Schiff, das beim Spibergen und durch überkommende Seen nass geworden ist, trockenlegen zu können.

Morgens um 8 Uhr werde ich wach, es regnet unter Deck. Alle Fenster und Luken sind auf, alle Segel draußen nass. Ventspils begrüßt seine Segelgäste mit einem Landregen.

Auf das Ergebnis müssen wir bis zum Nachmittag warten. Wir freuen uns über eine optimale Ausbeute: Erneut ein Sieg in der Klasse und über Alles, was dem „Frühstücks Direktor“ vor der abschließenden Etappe nach Pärnü in Estland beide Wertungen sichert, denn das schlechteste Ergebnis kann gestrichen werden. Und da haben wir jeweils nur einen zweiten Platz zu stehen. Auch die Hanse 371 „Schüddelfrost“ gewinnt ihre Klasse mit 25 Sekunden Vorsprung.

Wir melden uns aus Pärnü wieder. Eine schöne Etappe, die auch navigatorisch anspruchsvoll zu werden verspricht.

Die Crew der „Frühstücksdirektor“:
Jörn Bock, Ralph Moser, Nico Jeschonneck, Jörn Diercks, Timo Jakobs und der Bootkapitän und Bordchef Jan Dabelstein


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